Offene Grundrisse sind praktisch - bis du doch mal eine Ecke abtrennen möchtest, ohne gleich eine Wand hochzuziehen. Die Lösung: ein Raumteiler aus einzelnen Holzbalken, die oben über Regulierungsschrauben gegen die Decke gespannt werden, während sie unten einfach auf dem Boden aufstehen - ganz ohne Bohren in Wand oder Decke. So bleiben Licht und Luft trotzdem durchlässig.

Fertiger Raumteiler aus einzelnen Holzbalken, vom Boden bis zur Decke gespannt, trennt einen Wohnbereich optisch ab

Das Ergebnis: eine Art hölzerner Lamellenvorhang, der sich flexibel positionieren, jederzeit wieder abbauen und ganz nach deinem Geschmack anpassen lässt. Hier zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dabei vorgehst.

Was du dafür brauchst

  • Holzbalken bzw. Vierkantleisten aus Fichte oder Kiefer, gehobelt (Menge je nach gewünschter Breite und Abstand)
  • Regulierungs- bzw. Spannschrauben (Teleskop-/Druckfüße) für das obere Ende der Balken
  • Säge (oder den Zuschnitt gleich im Fachhandel machen lassen)
  • Schleifpapier bzw. Schleifmaschine
  • Hartwachsöl oder Dekorwachs nach Wahl
  • Akkuschrauber, Bohrer passend zum Schraubendurchmesser
  • Zollstock, Wasserwaage

Schritt 1: Das richtige Holz auswählen

Am Anfang steht die Wahl des Holzes. Wichtig ist hier vor allem die Statik: Die Balken müssen stabil genug sein, um sich unter der Spannung nicht zu verziehen, aber auch nicht so schwer, dass die Regulierungsschrauben und der Boden unnötig belastet werden. Gehobeltes Fichten- oder Kiefernholz ist eine gute und preiswerte Wahl - beide zählen zu den günstigsten Massivhölzern im Sortiment, lassen sich leicht bearbeiten und gut ölen oder wachsen. Achte darauf, dass die Balken möglichst gerade sind und keine groben Verdrehungen oder starken Astlöcher haben, sonst sitzt die Lamelle später nicht sauber in der Spannung.

Ein Unterschied lohnt sich trotzdem: Fichte wirkt heller und ruhiger in der Maserung, Kiefer hat meist mehr Astbild und dunkelt unter Licht zu warmem Rotbraun nach. Wichtiger als die Holzart ist aber, ob das Holz technisch getrocknet (KD) ist oder gleich als Konstruktionsvollholz (KVH) vorliegt - dieses ist auf maximal 18 % Holzfeuchte getrocknet und längs keilgezinkt, dadurch bewegt es sich unter der Spannung deutlich weniger als Frischware. Was KVH von normalem Bauholz unterscheidet, erklären wir dir im Ratgeber KVH und BSH, und warum sich Holz überhaupt verzieht, liest du im Beitrag Warum verzieht sich Holz?.

Nahaufnahme eines gehobelten Kiefernholzbalkens mit sichtbaren Ästen und warmer, honigfarbener Maserung

Astbild und Maserung sind der sichtbare Unterschied zwischen Fichte und Kiefer - die Trocknung entscheidet über die Stabilität.

Schritt 2: Länge nach Deckenhöhe zuschneiden - mit Puffer für die Regulierungsschrauben

Als Nächstes misst du die Deckenhöhe an mehreren Stellen (Decken sind selten perfekt eben, kleine Abweichungen sind normal). Von dieser Höhe ziehst du die Bauhöhe der Regulierungsschraube am oberen Ende ab - und lässt zusätzlich etwas Spielraum als Puffer, damit die Schraube genug Weg zum Justieren hat. Lieber die Balken einen Zentimeter kürzer zuschneiden als zu knapp kalkulieren: Die Schraube oben gleicht den Rest beim Einspannen aus. Am unteren Ende bleibt der Balken einfach glatt abgeschnitten, dort steht er direkt auf dem Boden auf. Den Zuschnitt kannst du selbst mit der Säge machen oder direkt beim Holzkauf im Fachhandel erledigen lassen, das spart Arbeit und sorgt für einen geraden Schnitt.

Schritt 3: Holz bearbeiten - für die saubere Optik

Rohes Bauholz wirkt oft noch etwas grob, deshalb lohnt sich hier ein Zwischenschritt: die Kanten und Oberflächen anschleifen. Das entfernt Splitter und raue Stellen, rundet scharfe Kanten leicht ab und sorgt dafür, dass die Oberflächenbehandlung später gleichmäßiger einzieht. Je nach gewünschtem Look kannst du die Balken auch abfasen oder die Oberfläche mit feinerem Schleifpapier nachbehandeln, um einen richtig glatten, hochwertigen Eindruck zu bekommen.

Schritt 4: Die passende Oberflächenbehandlung wählen und auftragen

Die Oberflächenbehandlung ist der Moment, in dem dein Raumteiler seinen eigentlichen Charakter bekommt. Im Innenbereich reicht dafür Hartwachsöl oder Dekorwachs völlig aus. Ob naturbelassen und nur leicht getönt, warmes Honigbraun oder ein kräftigerer Farbton - die Wahl richtet sich nach dem Rest deiner Einrichtung. Trage es am besten in dünnen Schichten auf, schleife zwischen den Anstrichen leicht an und plane ausreichend Trocknungszeit ein - erst wenn das Holz vollständig durchgetrocknet ist, geht es weiter. Was den Unterschied zwischen Öl, Wachs, Lack und Lasur ausmacht, liest du im Ratgeber Lack oder Lasur. Bei Kiefer kann durch den höheren Harzgehalt gelegentlich Harz austreten, etwa in der Nähe von Heizkörpern - das lässt sich einfach abspachteln und mit Spiritus nachwischen. Mehr Pflegetipps für geölte und gewachste Holzoberflächen findest du im Beitrag Holzmöbel ölen.

Schritt 5: Loch bohren und Regulierungsschraube einsetzen

Ist die Oberflächenbehandlung getrocknet, bohrst du an der oberen Stirnseite jedes Balkens das Loch für die Regulierungsschraube vor. Das Vorbohren ist wichtig, damit das Holz beim Eindrehen der Schraube nicht reißt und die Schraube später exakt mittig sitzt - bei Fichte lohnt sich das in Astnähe besonders. Anschließend setzt du die Regulierungsschraube ein bzw. drehst sie ein. Diese Teleskop- oder Druckschraube ist das Herzstück der ganzen Konstruktion: Sie erzeugt später die Spannung, die den Balken hält - die untere Seite bleibt unbehandelt und wird nicht gebohrt, sie steht später einfach fest auf dem Boden.

Schritt 6: Einspannen und justieren

Jetzt kommt der spannende Teil - im wahrsten Sinne des Wortes: Du stellst den Balken mit dem unteren, glatten Ende auf dem Boden auf und führst ihn oben an die Decke heran. Dann drehst du die Regulierungsschraube am oberen Ende nach und nach heraus, bis der Balken fest zwischen Boden und Decke eingespannt ist. Am besten mit der Wasserwaage prüfen, ob der Balken wirklich senkrecht steht, und die obere Schraube so lange feinjustieren, bis alles fest und gerade sitzt. Diesen Vorgang wiederholst du für jeden weiteren Balken, im gewünschten Abstand zueinander - und schon entsteht Stück für Stück dein kompletter Raumteiler. Prüfe vorher kurz, ob die Deckenoberfläche an der geplanten Stelle tragfähig genug ist, um den Anpressdruck dauerhaft aufzunehmen - bei abgehängten oder sehr weichen Decken lieber vorher Rücksprache mit Vermieter oder Fachbetrieb halten.

Lege zwischen Regulierungsschraube und Decke bzw. Boden eine kleine Filz- oder Kunststoffplatte unter. Das verteilt die Anpresskraft gleichmäßiger, schont empfindliche Oberflächen und beugt Druckstellen vor.

Profi-Tipp aus der Praxis
Nahaufnahme einer Regulierungsschraube, die einen Holzbalken oben fest gegen die Zimmerdecke verspannt

Die Regulierungsschraube am oberen Ende erzeugt die Spannung, die den Balken zwischen Boden und Decke hält.

Häufige Fragen zum Raumteiler aus Holzbalken

Welches Holz eignet sich am besten für einen Raumteiler aus Holzbalken?

Fichte und Kiefer sind beide gut geeignet. Fichte wirkt heller und ruhiger, Kiefer hat eine lebhaftere Maserung und dunkelt stärker nach. Wichtiger als die Holzart ist technisch getrocknete Ware (KD) oder Konstruktionsvollholz (KVH), da sich diese unter der Spannung weniger verzieht.

Beschädigt die Regulierungsschraube meine Decke oder den Boden?

Bei fachgerechter Montage mit einer Anpressplatte aus Filz oder Kunststoff bleiben keine bleibenden Schäden zurück. Prüfe vorab trotzdem, ob die Deckenoberfläche tragfähig genug für den dauerhaften Anpressdruck ist, insbesondere bei abgehängten Decken.

Wie berechne ich die richtige Balkenlänge?

Miss die Deckenhöhe an mehreren Stellen und ziehe die Bauhöhe der eingedrehten Regulierungsschraube sowie 1-2 cm Sicherheitspuffer ab. Lieber etwas kürzer ablängen - die Schraube gleicht die Differenz beim Einspannen aus.

Kann ich den Raumteiler wieder abbauen oder versetzen?

Ja, das ist der große Vorteil dieser Lösung gegenüber einer festen Wand. Da nichts gedübelt oder verschraubt ist, kannst du einzelne Balken jederzeit lösen, umstellen oder den gesamten Raumteiler bei einem Umzug mitnehmen.

Fazit

Was an dieser Lösung überzeugt, ist die Kombination aus Optik und Flexibilität: Es entsteht eine luftige, aber klar erkennbare Raumtrennung, ganz ohne Eingriff in Wand oder Decke. Du kannst die Balkenanzahl und -abstände jederzeit anpassen oder den Raumteiler bei einem Umzug einfach mitnehmen. Etwas Geduld braucht vor allem das Trocknen der Oberflächenbehandlung - der Rest ist mit Standardwerkzeug gut an einem Wochenende zu schaffen.

Wagst du dich an ein ähnliches Projekt: Genau messen, beim Zuschnitt lieber etwas Puffer für die obere Regulierungsschraube einplanen, zu technisch getrocknetem Holz greifen und beim Einspannen mit der Wasserwaage arbeiten - dann steht dein Raumteiler am Ende gerade und stabil.